Donnerstag, 7. Juni 2018

Ein bisschen Hippie...

Auch wenn man es mir nicht ansieht, im Herzen bin ich ein bisschen Hippie. Wie kann ich das auch nicht sein? Die Idee von einer menschlicheren Lebensweise und liebevolleren Umgangsformen, die Hoffnung auf ein friedliches Leben, das Aufbrechen von klassischen Geschlechterrollen, eine gewisse Naturverbundenheit und Kritik an übermäßigem und unbedachtem Konsum sprechen mich auch heute (oder sollte ich sagen in diesen Zeiten besonders) an. 
Ich brauche zur Umsetzung keine Räucherstäbchen oder bewußtseinserweiternde Mittelchen. Ich erkenne auch ohne Walle-Haare und gebatikte Kleider, dass diese Themen heute relevanter denn je sind. Das sind nicht die verrückten Ideen  einer aufmüpfigen Generation, der 'wilden 70er'.



Zugegeben, auch wenn mir die Grundgedanken der 70er Generation sehr einleuchten und sympathisch sind, bin ich in ihrer Umsetzung nicht immer konsequent. Ich lebe weder vegan noch baue ich unser Gemüse selber an. Ich bin nicht immer nur freundlich und hab auch nicht alle Menschen gleich lieb. Aber ich denke darüber nach... Was mir aber immer besser gelingt, ist ein bewußter Umgang mit Kleidung. Wer um den Prozess der Kleidungsherstellung weiß, von der Idee bis zum Produkt, die Zeit und Mühe, die in jedem einzelnen Stück steckt, um die unterschiedlichen Qualitäten von Stoffen, der kann einfach nicht mehr in einem Billig-Shop Kleidungsstücke für 1,99 € kaufen. Ich vermute das geht allen so, die ihre Kleidung (größtenteils) selber herstellen. 



Nach einigen intensiven Jahren an der Nähmaschine bin ich mittlerweile in der komfortablen Lage sagen zu können, dass ich mir (theoretisch) fast alles selber nähen kann. Ich habe nicht auf alles Lust und nicht für alles habe ich Zeit und Geduld - aber zu wissen, dass es möglich wäre, finde ich sehr schön!
Das führt im Geschäft allerdings häufig dazu, dass ich ein Kleidungsstück nicht kaufe. Es ploppt immer der Gedanke auf: Das kann ich selber! Ich durchforste gedanklich meine Schnittmustersammlung und schon hängt das Teil wieder an der Stange...
So erging es mir erst kürzlich, als ich auf der Suche nach einer luftig leichten Bluse war. Eine, die ich am Strand wie in der Stadt tragen kann; eine, in der ich angezogen bin (ihr wisst, in Jerusalem bedeutend) aber nicht schwitze...



Nach erfolgloser Suche in den Geschäften fiel mir der Schnitt Milla von Schnittmuster Berlin wieder ein. Es handelt sich dabei um eine Bluse im Hippie-Style der 70er. Sie hat weite Ärmel (die man bestimmt auch gut mit Gummi einfassen kann; das werde ich bei der nächsten einmal probieren), eine geraffte Unterbrustpartie und einen tiefen Ausschnitt, der mit Bindebändern geschlossen werden kann. Die ganze Buse fällt weit und luftig und erinnert an den Hippie- oder Boho-Style.
Milla ist eine untypische Bluse für mich und meinen Kleiderschrank. Ich trage normalerweise lieber körpernahe oder auf Silhouette geschnittene Kleidung. Bei dieser Tunika mag ich aber gerade, dass sie weit ist. Ich kann sie am Strand einfach über den Bikini ziehen und an die Strandbar gehen - so habe ich es mir zumindest vorgestellt.
Die Bluse ist insgesamt einfach zu nähen, lediglich der Stehkragen erfordert ein wenig Übung an der Maschine. Ich habe laut Maßtabelle eine Gr 38 genäht (liege dort zwischen 38/40) ohne Änderungen genäht und sie passt perfekt, finde ich.
Wer Schnittmuster Berlin noch nicht kennt: die Schnitte sind leider noch nicht alle als Ebook erhältlich (Milla noch nicht), sondern werden in der ausgewählten Größe als Schnittbogen versendet. Der Schnitt kommt mit einer Kurzanleitung. Dafür ist ein bisschen Näherfahrung nötig. Auf deren Blog findet man zu den Schnitten aber auch bebilderte Anleitungen für die kniffeligeren Stellen. Schnittmuster Berlin arbeitet aber daran euch ihre Schnitte direkt als Ebook verfügbar zu machen. Das finde ich großartig, ich bin ja immer von der spontanen und ungeduldigen Sorte ;-)
Milla mag übrigens besonders gerne leichte und fließende Stoffe. Ich habe hier einen leichten Baumwollstoff mit Struktur verwendet, den ich in Jerusalem gefunden habe (ich habe ähnliche aber auch schon Online gesehen). Er hat in sich gewebte Längstreifen. Dazwischen ist ein kleines zartes Lochmuster gestickt. Das lässt sich auf den Fotos nur sehr schlecht einfangen, sieht aber in echt sehr hübsch aus.



Zu dieser Bluse dürft ihr euch noch ein paar Accessoires vorstellen. Ich denke da vor allem an zarte Kettchen an meinem Hals oder hübsche Ohrringe... Mein Schmuck befindet sich aber bereits in Deutschland, da es nicht in den Container darf. Deshalb also nur eine eher 'nackte' Version...

In diesem Sinne: Love, Peace & Happiness!

Maarika

Stoff: strukturierte Webware aus Jerusalem
verlinkt mit: Du für dich am Donnerstag, Woman on fire (zwei neue Linkparties!)

Mittwoch, 6. Juni 2018

Behind the scenes mit Katrein

In den letzten Monaten habe ich von euch immer wieder positive Rückmeldungen zu meinen Fotos hier auf dem Blog bekommen. Darüber freue ich mich natürlich sehr  (Tausend Dank an dieser Stelle!) - aber soll ich euch etwas verraten? Was ihr hier häufig seht ist nur die halbe Wahrheit.
Ich habe mich deshalb entschlossen euch heute mitzunehmen auf das ungeschönte Fotoshooting meines neuen Kleides 'Katrein' von Freuleins. Habt ihr Lust? 



Wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, machen wir unsere Bilder fast immer an der gleichen Stelle. Es handelt sich um ein Restaurant in einem alten Wasserspeicher mit industriellem Charme. Der Platz ist einfach perfekt - er ist nur ein paar Minuten mit dem Rad von Zuhause entfernt, es gibt immer ein bisschen Schatten (in Jerusalem im Sommer nicht so leicht zu finden) und die grauen Wände sind ein neutraler und universal einsetzbarerer Hintergrund (der gelbe Sandstein im übrigen Jerusalem tut nix für den Taint). Einziges Manko ist nur, dass wir dort IMMER Zuschauer haben. Mindestens ein Koch (gerne auch mehrere, oder eine ganze Festgesellschaft) macht immer Pause wenn wir dort sind und sitzt nur wenige Meter von uns entfernt und beobachtet uns. Ich bin mir sicher die Angestellten dort kennen uns schon und halten uns für die eitelste Familie der Welt, haha...


Bei der Location angekommen, geht es (nicht zuletzt wegen der Zuschauer, wir wollen schnell wieder weg) direkt los. Ich kontrolliere nur schnell die Frisur im Fenster (Fahrtwind, ihr wisst schon) und prüfe, ob das Kleid sitzt. Ihr müsst nämlich nicht denken, dass mein Mann mich auf evt. umgeklappte Säume oder herausblitzende Träger hinweisen würde. Das habe ich oft genug erst NACH der Session am Computer festgestellt - aber aus Fehlern wird man klug. Jetzt wird immer mal wieder zwischendurch gecheckt und nachgebessert. Mein Mann hält drauf, ist ja klar ...



Mein Mann und ich sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Ich stelle die Kamera ein, er hält drauf und macht so viele Bilder wie er kann. Vorher klären wir, um welches Nähwerk es beim Shooting geht - die Erfahrung hat gezeigt, dass ihm das nicht immer klar ist ;-) 
Auch weiß er mittlerweile genau, welche Bildausschnitte ich möchte: Ganzkörper, Auschnitt, von vorne und hinten, Detailaufnahmen. Das geht ganz schnell.
Wenn ihr Details seht, sind sie manchmal so geknipst, häufig aber auch das Ergebnis eines guten Bildzuschnitts. Denn auf den 200 Bildern, die mein Mann meistens macht, habe ich auf 85% die Augen zu. Da hilft nur schneiden...


Das heutige Nähwerk ist das neue Kleid 'Katrein' (Gr 34-50) aus der Feder von Freuleins. Es ist ein luftig lockeres Kleid für Webware oder auch Jersey in Wickeloptik und mit Gummibund in der Taille. Es kann mit zwei Rockweiten genäht werden und ist durchaus anfängertauglich.
Ich hatte Lust auf ein richtig luftiges Sommerkleid und habe mich für eine leichte Baumwolle mit floralem Druck entschieden, die ich hier in Jerusalem gefunden habe. Dazu habe ich den weiten Rock gewählt. Genäht habe ich Gr 38 ohne Änderungen. Ich mag meine Katrein sehr (ich fürchte da muss auch noch eine Jerseyvariante her).


Wie luftig leicht der Stoff und auch das Kleid sind, habe ich in dem im Durchgang entstandenen Windkanal des Restaurants feststellen dürfen. Marilyn Monroe auf ganzer Linie.


Von vorne wie von hinten. Die Details erspare ich euch aber lieber... der oben erwähnte Koch hatte seine Freude!


Am Ende waren aber ein paar schöne und brauchbare Fotos dabei. Ich versuche mich in der Regel auf 8-14 Bilder (aus 200) zu beschränken, der Rest fliegt raus.


 Ich gebe zu, dass ich häufig auch schwer beeindruckt bin von den vielen tollen Fotos auf Blogs oder auch Instagram. Ich beneide Mitbloggerinnen um ihre Kamerafertigkeiten, ihr Auge fürs Detail und ihre tollen Kulissen. Aber wie ihr seht, die anderen kochen vermutlich auch nur mit Wasser und nicht alles ist Gold was glänzt. Oder was meint ihr?

Ich wünsche euch einen tollen Mittwoch!
Bis morgen,
Maarika

Stoff: florale Webware aus Jerusalem, no name
verlinkt mit: AWS

Samstag, 2. Juni 2018

Let's go floral - Sewpony sew along in June

This blogpost is written in English and German. *** Dieser Blogpost ist zweisprachig verfasst.

Wer mich schon ein wenig länger kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochener Fan vom australischen Indie Label Sewpony bin. Die Schnitte sind immer relativ schlicht aber mit dem besonderen Etwas, mädchenhaft aber nicht kitschig und sie erinnern an vergangene Zeiten. Das mag ich. Es wird euch also nicht überraschen, dass ich bereits alle (bis auf einen) Schnitte von Sewpony vernäht habe. Das nennt man wohl Liebe ;-)

Those of you who follow my blog know that I'm a huge fan of the Australian indie label Sewpony. Her patterns are always pretty simple but with a twist, girly without being over the top and always vintage inspired. I like that. So it might not be surprising that I have already sewed up all (but one) Sewpony patterns. That's what I call love ;-)



Aber wenn man wie ich fast alle Schnitte bereits genäht hat, gerne auch mehrfach, dann braucht man manchmal einfach eine kleine Herausforderung, um die Schnitte noch einmal heraus zu kramen und  sie kreativ umzusetzen. Das hat sich Suz von Sewpony wohl auch gedacht und eine neue kleine Reihe ins Leben gerufen - das Sewpony Sew Along. Jeder Monat steht unter einem bestimmtem Thema. Im April wurden Sewpony Schnitte gehackt, also kreativ abgewandelt. Im Mai durfte nur recycled werden. Und der Juni steht nun ganz im Zeichen von BLUMEN!

But what if you have already used all the pattern, maybe even more than once? Right! You need a challenge! And if Suz of Sewpony can read my mind, she started a beautiful new tradition two months ago: a Sewpony sew along with a monthly theme! Such a brilliant idea!
After Sewpony-Hack in April and Sewpony Thrift in May, this month's theme is FLORAL! 



Ihr könnt natürlich auch mitmachen, bevorzugt auf Instagram! Jeden Monat gibt es etwas zu gewinnen. Diesmal ist es ein Paket aus 1m Stoff im floralen Design und 1 Ebook von Sewpony nach Wahl. Was ihr dafür machen müsst? Wenn ihr euer Werk zeigt, verwendet den Hashtag #sewponyfloral. Am Ende des Monats wählt eine kleine Jury (diesmal bin ich auch dabei) das schönste Nähwerk aus. Und, seid ihr dabei?

You can also join in the fun. You might win 1m of floral fabric and a Sewpony pattern of your choice. Just use the hashtag #sewponyfloral when showing your make on instagram. The sewpony team will choose their favourite at the end of the month. Are you in? 


Das florale Thema ist total meins. Ich mag Blumenmuster sehr und habe viele passende Stoffe in meinem Stofflager. Meine erste Idee war er verschiedene Blumenmuster (aus einer Stoffserie) in einem Tic Tac Toe Dress zu mixen. Aber dann bin ich über diesen zauberhaften leichten Jeansstoff mit Blumenstickereien gestolpert und habe all meine Pläne über den Haufen geworfen. Um den gestickten Blumen ihren Raum zu geben, brauchte es obenrum eine schlichte Schnittführung. Das bringt das Juliette Dress and Top mit.

The floral theme totally got me. I love floral designs and have plenty of them in my stash. My first idea was to mix different floral designs in a Tic Tac Toe Dress. But then I came across this beautiful  embroidered light denim and had to make a change of plans. To give the embroidery some room it needed a plain top. The Juliette Dress and Top by Sewpony seemed to be the better choice.



Das Juliette Dress and Top von Sewpony (bisher leider nur auf Englisch, Niederländisch und Französisch erhältlich, aber - pssst - die deutsche Version ist in Arbeit!) ist ein Kleid (oder Top) in A-Linie, das mit oder ohne Kragenrüsche genäht werden kann. Mein Mann findet Rüschen ja grundsätzlich nicht so toll, aber hier finde ich, passt es sehr gut. Das Kleid kommt ohne Reißverschluss und Knopflöcher aus, ist also ein gutes Anfängerprojekt. Das Kleid kann mit verschiedenen Ärmellängen oder auch ohne Arm (Beispiel hier) genäht werden. Ich habe mich hier für einen 3/4 Ärmel entschieden. Schön sind auch die Nahttaschen.

The Juliette Dress and Top has a classic A-Line silhouette and can be sewed with or without a ruffle neckline. My husband usually doesn't like ruffles too much, but it suits this dress I think. The dress is wearable all year, depending on the sleeve option you pick: long, 3/4 or no sleeves at all (see example here). Cool are also the seam pockets.
The dress doesn't need buttonholes or zipper so Juliette is a great project for beginners. 



Wie sieht's aus? Habt ihr auch schon Ideen zum Thema? Wenn nicht, schaut unbedingt auch auf dem Sewpony Blog vorbei. Dort zeigt Suz weitere Beispiele.
Ich freu mich schon auf einen blumigen Juni auf Instagram.
Habt ein schönes Wochenende!

Already feel inspired? If not check Sewpony Blog for more inspiration!
I can't wait to see a lot of florals on instagram this month!
Have a great weekend!

Maarika

Schnitt/pattern: Juliette Dress and Top Pattern by Sewpony  (in Kürze auf deutsch bei Näh-Connection erhältlich)
Stoff/fabric: light denim cotton with embroidery bought at Stoff, Kamera, Liebe